Historische Entwicklung der Justizvollzugsanstalt |
Die Justizvollzugsanstalt Waldheim wird signifikant geprägt durch ihre Errichtung unter Ausnutzung der baulichen Gegebenheiten des ehemaligen Waldheimer Schlosses. Die Entstehungsgeschichte des Schlosses soll bis in die Zeit um 1200 zurückreichen, wobei es im Jahr 1271 erstmalig urkundlich erwähnt wird. 1404 wurde im Schloss ein Augustiner-Kloster eingerichtet und mit der Reformation 1549 wieder aufgelöst. Der sächsiche Kurfürst Christian I. erwarb 1588 die Schlossgebäude. Infolge des 30-jährigen Krieges verfiel das Schloss im 17. Jahrhundert. 1712 wurden einzelne Räume zur gewerblichen Nutzung an einheimische Fabrikanten vermietet. |
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1716 begann für das Schloss eine neue Periode seiner Geschichte. Der sächsische Kurfürst August II. ließ in den Baulichkeiten das "Zucht- Waisen- und Armenhaus zu Waldheim" errichten. Hauptgrund für die "Hohe Commission", sich für den Zuchthausbau in Waldheim zu entscheiden, war die verkehrsgünstige Lage zwischen Dresden, Leipzig und Chemnitz. |
Das "Zucht-, Waisen- und Armenhaus zu Waldheim" bildete die historische Grundlage für alle späteren sächsischen Landesstraf-, Erziehungs- und Krankenanstalten. Aufbau und Struktur des Waldheimer Hauses fußten auf Erfahrungen der ersten holländischen (1595/97) und deutschen Zuchthäuser, wie z.B. Spandau (1687). In den ersten 115 Jahren wurden hier vorwiegend Straftäter, Geistesgestörte, Waisenkinder und verarmte Personen, die ihren Lebensunterhalt nicht mehr bestreiten konnten, untergebracht. |
 Gedicht über die Linde |
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Die vorhandene Bausubstanz wurde ständig erweitert, das Ostgebäude 1822, das Westgebäude 1828, der Neuaufbau des Schlossgebäudes erfolgte 1867 und der Bau des neuen Zellenhauses ("Bremen") sowie des Frauenzuchthauses wurden 1886 realisiert. |
| In den Jahren 1933 bis 1945 folgte eine rasche Zunahme der Gefangenenzahl. Nach Kriegsende erlangten ca. 4000 Gefangene die Freiheit. Nach kurzer Unterbrechung wurde ab Dezember 1946 wieder die reguläre Belegung mit Gefangenen vollzogen. |
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Das gravierendeste Kapitel in der Zeit der SED-Diktatur bagann im Jahr 1950. Mehr als 3000 Häftlinge aus sowjetischen Internierungslagern, vorwiegend aus den ehemaligen Konzentrationslagern Buchenwald und Sachsenhausen, wurden nach Waldheim gebracht. Im Sommer/Herbst 1950 begannen die berüchtigten sogenannten "Waldheimer Prozesse". Im Schnellverfahren wurden Urteile gefällt, die rechtsstaatlichen Ansprüchen in keiner Weise genügten. Es wurden 33 Todesurteile gefällt und 24 Verurteilte in der Nacht vom 03./04. November 1950 hingerichtet. |
| Sichtbare Veränderungen wurden in der Anstalt Ende der 60er Jahre vorgenommen. Die Übernahme des Prinzips der Kollektiverziehung nach dem sowjetischen Strafvollzug bedeutete die rigorose Beseitigung von Einzel- bzw. Drei-Mann-Zellen im neuen Zellenhaus ("Bremen"). Es wurden Hafttrakte für jeweils 18 Gefangene geschaffen, die aber in den 70er/80er Jahren meist mit bis zu 27 Gefangenen belegt waren. Eine permanente Belegung der Anstalt mit mehr als 1600 Gefangenen war dadurch gegeben. |
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 Großbild |
Die hiesige Anstalt wird aufgrund ihrer geschichtlichen Entwicklung, einer konstruktiven Öffentlichkeitsarbeit, der örtlichen Lage im Stadtzentrum und des Umstandes, dass sie eine der größten Arbeitgeber der Region ist, von der Bevölkerung der Stadt Waldheim hinreichend akzeptiert. Ein Teil der Gefangenen des offenen Vollzuges arbeitet darüber hinaus in gemeinnütziger Form zugunsten der Stadt Waldheim. |
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