Übersicht über die Justizvollzugsanstalten in Sachsen

Justizvollzugsanstalt Bautzen

JVA Bautzen   Warum ist Bautzen zum Symbol des gemeinschaftlichen Gedächtnisses an staatliches Unrecht geworden?

Fast allgemein wird immer noch angenommen, der Ruf der Anstalt als angeblich berühmt-berüchtigste Vollzugsanstalt Deutschlands sei durch die DDR begründet. Dies ist jedoch unzutreffend.
Dasselbe gilt für die Behauptung, das sowjetische Speziallager habe den Ruf der Anstalt begründet, sowie die allerdings nur selten zu hörende These, die Anstalt hätte von Anfang an einen schlechten Ruf gehabt. Vielmehr sind hier mehrere Zeiträume zu unterscheiden.
1904 - 1932
01.06.1904   Eröffnung einer Teilanstalt für erwachsene Strafgefangene
05.06.1904   Einweihung der Anstaltskirche
01.07.1904   Eröffnung einer Teilanstalt für Jugendstrafgefangene
Mit 1092 Plätzen war sie eine der 3 größten Einrichtungen des sächsischen Strafvollzuges.
Bis 1932, also fast drei Jahrzehnte, hatte die Anstalt einen reformerischen Ruf.

1933 - 1945
Diese erfreuliche Phase endete 1933 mit der Übernahme der gesamten politischen Gewalt durch den Nationalsozialismus. Die Vollzugsgestaltung war hart und schikanös.
Der nationalsozialistische Staat versuchte Ansehen zu gewinnen, indem er inländischen und ausländischen Besuchern Bautzen bis etwa 1941 als - scheinbares - Vorzeigegefängnis präsentierte.
Politische Gefangene wurden in Bautzen insbesondere in der Anfangszeit und in der Endzeit des Nationalsozialismus untergebracht. Bevor der namhafteste von ihnen, Ernst Thälmann, vom 11.08.1943 bis 17.08.1944 hier inhaftiert war, und die Anstalt dadurch mindestens bei Kommunisten weiter bekannt wurde, war der Ruf der Anstalt längst gekippt.
In den dreißiger Jahren gehörte Bautzen I zu den 7 größten Gefängnissen in Deutschland und mit der Zweiganstalt II zu den 3 größten.

1945 - 1950
Der Tiefpunkt in der Geschichte der Anstalt war die Nutzung als sowjetisches Speziallager vom 27. Mai 1945 bis etwa 15. März 1950. Von 10 Speziallagern gehörte Bautzen zu den drei, die von 1945 bis zur Auflösung 1950 die gesamte Zeit über betrieben wurden.
Der Ruf von Bautzen war jetzt endgültig ruiniert.

1950 - 1990
Ab 16. Februar 1950 wurde das Lager an die dem Ministerium des Innern unterstellte Deutsche Volkspolizei als Strafvollzugsanstalt übergeben.
In Bautzen I wurden - anfangs mehr, später weniger - zwischen ca. 20 und 40 % politische Gefangene untergebracht. Im öffentlichen Bewusstsein wurde zwischen Bautzen I und II vielfach nicht unterschieden; teilweise war überhaupt nicht bekannt, dass es in Bautzen zwei verschiedene Strafvollzugseinrichtungen gab.
Der berüchtigte Mythos von Bautzen erscheint im Vergleich zu anderen Justizvollzugsanstalten nicht berechtigt. Gleichwohl ist in den 6 Jahrzehnten zwischen 1933 - 1990 von Bautzen I viel Unrecht geschehen.
Die Forderungen der Gefangenen nach einer Amnestie werden am 6. Dezember 1989 erfüllt.

1990 ...
Ein neues Kapitel der 1904 eröffneten Anstalt begann im Oktober 1990 mit der Wiedervereinigung Deutschlands und der erneuten Bildung des Landes Sachsen.
Vor dem Hintergrund der Geschichte fühlt sich die JVA zu einer humanen Vollzugsgestaltung verpflichtet. Gefangene sollen korrekt und fair behandelt werden. Sie sollen fähig werden, ein Leben ohne Straftaten in sozialer Verantwortung zu führen. Dies dient dem Schutz des Bürgers vor weiteren Straftaten.
100 Jahre nach der Errichtung der Anstalt hat der Bautzener Justizvollzug wieder zu den Wurzeln am Anfang des 20. Jahrhunderts zurückgefunden, die Bautzen während der ersten 3 Jahrzehnte positiv bekannt machten.
 

Justizvollzugsanstalt Dresden

JVA Dresden   Die Justizvollzugsanstalt Dresden ist eine moderne Anstalt, die baulich wie auch konzeptionell so angelegt ist, dass neben größtmöglicher Sicherheit nach innen und außen, Gefangene zu einem Leben in sozialer Verantwortung ohne Straftaten befähigt werden können.

Die Bauplanungsphase betrug ein Jahr, in 2 ½ Jahren wurde die Anstalt dann mit einem Kostenaufwand in Höhe von 73 Millionen EURO auf einem 11 ha großen Grundstück im Dresdner Norden errichtet.

Sie verfügt über 750 Haftplätze im geschlossenen sowie über 36 Haftplätze im offenen Vollzug bei einer Personalstärke von 365 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.
Im Mai 2000 ist die Anstalt dem Nutzer übergeben worden. Von diesem Zeitpunkt an bis September 2000 ist die Anstalt durch einige Gefangene und wenige Bediensteten möbliert worden. Am 16. September 2000 ist die Anstalt mit 300 Gefangenen bezogen worden, einige wenige Monate später war bereits die Haftplatzkapazität ausgeschöpft.
 

Justizvollzugsanstalt Görlitz

JVA Görlitz   1863 - 1865  Bau des Gerichtsgefängnisses auf dem nördlichen Teil des Postplatzes hinter dem neu errichteten Landgericht

1905 - 1909 Erweiterung des Gefängnisses bis zu den Ausmaßen der Gegenwart. An das bisherige, in rechtwinkliger Form bestehende Gebäude, erfolgte der Anbau eines Kreuzbaus nach amerikanischem Vorbild.

1918 - 1933 Modernisierung der elektrischen Anlage, Einbau einer Zentralheizung, Errichtung eines Fuhrparks und Ausrüstung mit Kraftfahrzeugen.
1967 Einbau der Sanitäranlagen in den Hafträumen. Aus diesem Grund erfolgte die Unterbringung der männlichen Untersuchungsgefangenen im Objekt Rathausstraße (jetzt Jüdenstraße). Diese Maßnahme wurde im Dezember 1967 abgeschlossen.

1993 Abriss des alten Heizhauses und Errichtung eines modernen Heizhauses

1994 Übergabe des rekonstruierten Haftbereich Flügel "C"

1995 Am 09. Januar 1995 erfolgte die Inbetriebnahme der rekonstruierten und modernisierten Küche für die Gefangenenversorgung.

2000 - 2002 Abriss des ehemaligen Produktionsgebäudes und der darin befindlichen Garagen. Errichtung eines modernen dreigeschossigen Torwachgebäudes mit Hauswerkstatträumen, Produktionsräumen, Besucherbereich und Gesprächsräumen. Umbau des Verwaltungsbereichs in drei Bauabschnitten, Erweiterung der Anstalt durch den Neubau des Sozialgebäudes auf dem Gelände des Hinterhauses Luisenstraße 6.

2003 Beginn der Sanierung des Haftbereichs Flügel "B"

2004 Abschluss und Übergabe des Haftbereichs Flügel "B".
 
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